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Von der Beziehung zum Potential – ein Abend mit Prof. Dr. Gerald Hüther

„Gelingende Beziehungen“ – zu diesem viel versprechenden Themenabend hatte die Münchner Regionalgruppe der Akademie für Potentialentfaltung am 6. Februar in die EmiLe Montessorischule München Südost eingeladen. Die Ankündigung zweier hochkarätiger Wissenschaftler versprach den zahlreichen Eltern und Interessierten einen aufschlussreichen Abend: Professor Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe, Hirnforscher und Autor vieler einschlägiger Bücher sowie Dr. Reinhard Hellmann, Psychoanalytiker und Kinderarzt.

Einen Einstieg in die spannende Thematik Beziehungen lieferte Hellmann mit seinem kurzweiligen Impulsreferat zur Entstehung und Entwicklung der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Die ersten beiden Jahre sind dabei sehr prägend. Er machte unter anderem deutlich, dass allein die Befriedigung der Grundbedürfnisse von Babys und das dadurch wachsende Sicherheitsgefühl notwendig sind, um als Lebewesen überhaupt ein Beziehungsmuster entwickeln zu können. Was gleichzeitig auch bedeutet, dass dieser Lernprozess in späteren Jahren kaum nachgeholt werden kann.

Hirnforschung versus Psychoanalyse?

Es wird dann auf der Bühne auch noch der Beweis erbracht – von dem Experten im Bereich der Hirnforschung und dem Vertreter der Psychoanalyse – dass sich die doch so unterschiedlichen Ansätze der beiden Wissenschaftsrichtungen nicht wirklich widersprechen müssen, vielmehr sogar ergänzen können.

Ohne ein Werte-orientiertes Umfeld fehlt Kindern das Gerüst

Professor Hüther ist überzeugt, dass in Werte-orientierten Familien das Vorbild der Eltern allein schon positive Auswirkungen auf die Entwicklung ihrer Kinder hat. Auch das Vermeiden einer Unterordnungsstruktur leistet hierbei einen vielversprechenden Beitrag. Durch Nachahmung und die Möglichkeit zum freien Spiel machen Kinder ihre eigenen sozialen Erfahrungen, um ausreichend sensibilisiert und mit der Fähigkeit zur Empathie ausgestattet, gute Beziehungen aufbauen zu können.

Kreativität und Entfaltung 

Hüther sieht hier eine Gefahr in den überholten Erziehungsmethoden vieler Kindergärten und den Lernkonzepten der Regelschulen, nicht zuletzt aber auch rückschrittlich organisierten Arbeitsplätzen, die anfänglich die Kinder und später die Erwachsenen, in eine Objektrolle drängen. Er übt offen Gesellschaftskritik: „Unsere Gesellschaft funktioniert nicht mehr zeitgemäß.“ Diverse Erziehungsstile, Lern- und Lehrmethoden, aber auch das Verhältnis im Arbeitsleben sieht er als überholt und nicht mehr weiterentwickelt seit dem Zeitalter der Industrialisierung. Hier fungierten Menschen als unterdrückte Objekte, als ein Rädchen im Gesamtprozess und hatten zu funktionieren. In seinen Augen gilt es heute – neben der persönlichen Entfaltung und dem Ausleben der Kreativität – das hohe Ziel der Potentialentfaltung eines jeden Menschen zu verwirklichen. Die Voraussetzung hierfür sieht er wiederum in tragfähigen Beziehungen.

Neue Gruppierung der Akademie für Potentialentfaltung in München

Um seine Zukunftsvision des friedlichen Miteinanders in die Praxis umzusetzen, sucht Professor Hüther Gleichgesinnte. Das war auch das Motiv für die Gründung seiner Akademie der Potentialentfaltung. Sie soll als Bewegung die zwischenmenschliche Beziehungskultur innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft nach aktuellen Werten reformieren und die Basis für ein friedvolles Zusammenleben und Entfaltung von Potentialen bilden. Ein tatsächlich mitreißender Gedanke und ein interessanter Ansatz, die Welt im mitmenschlichen Bereich lebenswerter zu machen. Auf die Umsetzung dürfen wir alle gespannt sein.

In München hat sich vor wenigen Monaten eine neue Regionalgruppe gebildet. Wer sich aktiv daran beteiligen möchte, findet unter www.akademiefuerpotentialentfaltung.org weitere Informationen.

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