Grundlagen der Montessori-Pädagogik

Ursprünglich war die Pädagogik Maria Montessoris an den Schülern im Grundschulalter orientiert. Wir sehen es als Aufgabe einer modernen Montessorischule, die Grundlagen der Pädagogik an die Anforderungen der heutigen Gesellschaft anzupassen. Ferner haben wir es uns zum Ziel gesetzt, die Grundlagen für die höheren Klassen und für unsere Abiturienten im Hinblick auf das Erreichen schulischer Ziele – insbesondere der Schulabschlüsse – neu zu interpretieren.

Im Mittelpunkt der Montessori-Pädagogik stehen die individuellen Stärken, Interessen und Neigungen des Kindes.

Alle Kinder sind unterschiedlich, und daher unterscheiden sich die Schüler auch in ihren Interessen für bestimmte Themen und Fächer. Wenn ein Schüler einen inneren Antrieb spürt, sich mit einem Lerninhalt zu befassen, lernt er selbstverständlich lustvoller, leichter und intensiver als wenn das nicht der Fall ist. Die pädagogische Herausforderung besteht daher darin, die Schüler gerade für die ihnen weniger attraktiv erscheinenden Themen zu interessieren und sie dafür „affektiv aufgeschlossen“ zu machen. Handlungsorientierter Zugang (vgl. unser Konzept IM TUN), Verbindung mit Fragestellungen des realen Lebens (z.B. Projekt eigenverantwortliche Klimaküche oder die Verwendung von Google sketch up für Flächenberechnung und Maße bei der Einrichtung eines Bauwagens) können hier eine Brücke darstellen (vgl. Beispiele Projektstufe).

Lernen durch Erfolg – auch das bringt Motivation!

Der zentrale Gedanke der Materialarbeit in der Grundschule ist die nach Schwierigkeit abgestufte Erarbeitung eines Themas. Jeder Teilaspekt eines Lernziels wird Schritt für Schritt vermittelt bzw. mit Material erfahrbar gemacht. Durch die selbstständige Kontrolle nach einer Aufgabe erhält der Schüler unmittelbar Feedback, ob die Lösung richtig oder falsch ist.

Die Rückmeldung ermutigt, die nächsten Schritte zu gehen bzw. gegebenenfalls auch zur Wiederholung einer Aufgabe. So ist Lernen im Idealfall im ganz eigenen Tempo möglich – wenngleich natürlich das Erreichen von gemeinsamen Zielen und die Kompetenz zur Bearbeitung von Prüfungsaufgaben der Individualisierung eine Grenze setzen muss.

Der Grundsatz: „Lernen durch Erfolg“ wird in den Klassen der weiterführenden Schule und in der FOS weitergeführt. Arbeitsmaterialien in Form unterschiedlicher Medien lösen ab Klasse 5 das Material der Grundschule ab, aber das Prinzip bleibt das Gleiche. So stellen wir sicher, dass wir Schüler auf ihrem Weg zur Prüfung ermutigen, sich auch mit den Lerninhalten zu befassen, die auf den ersten Blick möglicherweise kompliziert, uninteressant oder schwierig erscheinen („Mathe kann ich nicht!“)

Freiarbeit – Studierzeit – Campusreife

Autonomie und Selbstbestimmung sind wirksame Faktoren für Motivation und Zufriedenheit – nicht nur in der Schule! (vgl.) https://www.psychologie.uni-freiburg.de/Members/rummel/alt/wisspsychwiki/wissenspsychologie/Selbstbestimmungstheorie )

In der „Freiarbeit“, dem Kern der Montessori-Pädagogik, lernen Kinder Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen, indem sie selbst bestimmen, welche Aufgaben sie er- und bearbeiten. Sie können allein oder mit anderen Kindern zusammen in ihrem persönlichen Tempo arbeiten. Während der Freiarbeit stehen die Pädagogen den Kindern immer zur Verfügung und unterstützen bei der Bewältigung der Aufgaben.

Die Fähigkeit zur Selbstorganisation des Lernens und die Übernahme von Verantwortung wird von der ersten Klasse an trainiert. Dokumentation der eigenen Arbeit in Studienbüchern oder in einem persönlichen Portfolio, Reflexion des Arbeitsverhaltens, Überarbeitung von fehlerhaften Aufgaben sind Elemente, die in der Grundschule eingeführt werden und in den höheren Klassen Fortsetzung finden. Die Eigenverantwortung und Selbstorganisation erachten wir als Schlüsselkompetenz, um nach der Mittleren Reife bzw. nach dem Abitur als souveräne Auszubildende und Studierende in den nächsten Lebensabschnitt nach der Schule gehen zu können.

Die „vorbereitete Umgebung“:

Montessori-Material, fachliche Lernumgebung, „use your own device“

Die vorbereitete Umgebung bildet den Ordnungsrahmen für die Freiarbeit der Grundschule. Sie ist auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt, damit die Kinder selbstständig und unabhängig von Erwachsenen lernen können. Dazu steht ihnen das Material zur Verfügung, das in Regalen frei zugänglich ist. Es ist jeweils nur einmal vorhanden, so dass die Kinder sich untereinander absprechen müssen. Die Kinder gehen mit dem Material pfleglich um und räumen es selbstständig auf.  Das Kind ist gefordert, sich auf die zu erlernende Aufgabe zu konzentrieren. Der Arbeitsplatz wird frei vom Kind gewählt. In kleineren, lernstandshomogenen Gruppen erfolgen regelmäßige Darbietungen, die neues Material einführen, so dass die Kinder kontinuierlich Neues lernen und anschließend einüben können.

Ältere Schüler tauchen im Unterricht in eine Lernumgebung ein, die von den Themen des Fachs und von bereits erarbeiteten Inhalten geprägt ist. In den Fachräumen der Mittel- und Oberstufe bzw. der FOS sind vielfältige Medien zur Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema vorhanden. Fach-Bibliotheken, aber auch eine digitale Lernumgebung ermöglichen altersgemäß die Auseinandersetzung mit den Lernzielen. Durch unseren Grundsatz: „Use your own device!“ – interpretieren wir den Begriff der „vorbereiteten Lernumgebung“ zeitgemäß und neu. Die Schüler werden angeleitet, sich mit Lernplattformen, Lernvideos und anderen digitalen Informationsquellen medienkompetent auseinanderzusetzen. Der kritische Nutzer, aufgeklärt und urteilsstark, ist unser Ziel. Wir würdigen traditionelle Formen der Lernmaterialien und nutzen aktuelle Lernmöglichkeiten gleichermaßen.  (vgl. auch: Raumkonzept Emile)

Gebundene Phasen

Um in Freiarbeit und Studierzeit effektiv arbeiten zu können, braucht es auch sogenannte „gebundene Phasen“ und Stoffeinführungen. In diesen Phasen erarbeiten und erschließen sich die Schülerinnen und Schüler einer Klasse ein Thema. Es gibt Input durch den Lehrer oder materialgestützte Hinführungen zu einem Lernziel. Anschließend besprechen die Schüler fachspezifische Probleme, finden Fragestellungen und vertiefende Aufgaben, die während der offenen Phasen, d.h. während der Freiarbeit und Studierzeit weiterbearbeitet werden.

Die Impulse aus dem Fachunterricht werden in einem vorgegebenen Zeitraum vertieft. Tagespläne, Wochenpläne sowie auch größere Arbeitsvorhaben, die sich über einen Zeitraum bis zu einem Jahr erstrecken können (vgl. große Montessori-Arbeit) fordern den Schüler in seinem Zeitmanagement. So legen wir bereits in jungen Jahren die Grundsteine für ein ausbalanciertes Lernen.

Differenzierung in Quantität und Anforderungsniveau stellen sicher, dass Schüler gefördert und angemessen herausgefordert werden. Schülern und Eltern ist dabei bewusst, dass nicht in jedem Fall das erforderliche Arbeits- oder Übungspensum während der Schulzeit erledigt werden kann.

Kosmische Erziehung

Für Maria Montessori ist die kosmische Erziehung der Grundstein der Erziehung. Im Mittelpunkt steht die umfassende Sicht von Mensch und Welt. Ziel der kosmischen Erziehung ist es, den Kindern den Weg zu zeigen, sich selbst voller Neugier die Welt zu erobern und dann allmählich zu lernen, für diese Welt und für sich selbst Eigenverantwortung zu übernehmen.

Der Kosmos ist die ganze Welt, in der wir leben: das Universum, unser Planet Erde, Sonne, Mond, Licht, Tag, Nacht, Luft, Wasser, Feuer, Pflanzen, Tiere und selbstverständlich wir Menschen mit unserer Kultur und Geschichte.

Beim Konzept der kosmischen Erziehung ging es Montessori um die Stellung des Menschen in der Welt und im Kosmos, um Einsicht des Menschen in die Interdependenzen der Phänomene der Natur, um die Verantwortung, die sich aus dieser Einsicht für jedes Individuum ergibt, und um die Frage, welchen Beitrag Erziehung leisten kann, um dem Heranwachsenden zu helfen, seinen Platz in der Evolution und in der Geschichte der menschlichen Entwicklung verantwortungsbewusst auszufüllen.

Montessori erkennt den Kosmos als Ganzheit, in der alles mit einem immanenten Plan und den Gesetzen der Natur voneinander abhängt. Der Mensch ist zwar Teil des Kosmos, hat aber die Aufgabe, den Kosmos zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Der erste Schritt zur kosmischen Erziehung ist also: raus aus den Klassenzimmern und rein ins wirkliche Leben.

Quelle: http://www.montessori-paedagogik.info/kosmische-erziehung/ (Text ist teilweise verändert)

Siehe auch „Soziale und ökologische Verantwortung“: Aktivitäten und Projekte

Altersgemischte Klassen

Die Altersmischung ist ein weiteres Kernstück der Montessori-Pädagogik und hat sich auch an unserer Schule bewährt. In der Emile sind zwei bis vier Jahrgänge in einer Klasse mit möglichst ausgewogenem Alter- und Geschlechterverhältnis. So bilden sich Kleingruppen, in denen die Kinder die neuen Arbeitsfelder gut erarbeiten können.

Kinder profitieren enorm von dieser Mischung, denn sie erfahren sich in verschiedenen Rollen. Sie sind manchmal die jüngeren, manchmal die gleichaltrigen und manchmal die älteren. Unsere Erfahrung ist, dass die Kinder dadurch kooperativer werden und sich intensiver miteinander austauschen.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kinder wird gefördert, auch lernen die Kinder, ihr Wissen zu erklären und zu vermitteln, indem sie ihre Gedankengänge ordnen und gegebenenfalls neu zuordnen. Auch die jüngeren Kinder bringen sich und ihr Wissen und Verständnis in die Gespräche ein und befruchten damit den Wissensaustausch.

Derzeit bestehen bei uns folgende Jahrgangsmischungen in den Klassen:

P1 (Primarstufe 1): Klassenstufe eins bis vier

P2 (Primarstufe 2): Klassenstufen fünf und sechs

M1 (Mittelstufe 1): Klassenstufen sieben und acht

M2 (Mittelstufe 2): Die Klassenstufen neun und zehn werden als Prüfungsklassen jahrgangshomogen unterrichtet

FOS: Die Jahrgangsstufen elf und zwölf werden ebenfalls jahrgangshomogen geführt