Wie wird aus einem Hummelhaufen ein Meditationskreis?

Bericht aus dem Elterncafe zum Thema Achtsamkeit

Im Januar 2017 startete Soa Fersch ihr Pilotprojekt in der Venusklasse und führt seitdem mit Unterstützung der Klassenleitung Claudia Kollmann jeden Freitag die Venuskinder in die Welt der Achtsamkeit ein. Als Yogalehrerin ist die Meditation schon lange ihr regelmäßiger Begleiter.

Vor den Faschingsferien lud Soa ins Elterncafé und berichtete den anwesenden Eltern über ihre bisherigen Erfahrungen. Das wollte ich mir – nicht nur als Mutter eines Venus-Kindes – nicht entgehen lassen. Denn „Achtsamkeit“ mit einer über 20-köpfigen Kindergruppe zu üben, klang für mich nach einer großen Herausforderung. Yogalehrerin Soa nimmt sie gerne an: „Die positive Wirkung von Meditation auf Schulkinder ist im Hinblick auf Konzentration, Empathie und Stressprävention wissenschaftlich nachgewiesen“, führt sie aus. Meditation im Klassenverbund bedeutet noch einiges mehr: Für unsere Kinder vor allem gegenseitiges Vertrauen, Offenheit gegenüber dem Neuen, dem Unbekannten und eine gewisse Bereitschaft, sich auf diese Reise einzulassen.

Wie schafft Soa das also, aus einem Hummelhaufen einen Meditationskreis zu machen?

Natürlich kann die Stille nicht sofort erreicht werden. So gibt es zu jeder Achtsamkeits-Einheit eine kindgerechte Struktur bestehend aus Sonnen-, Mond- und Lagerfeuer-Phase. Die Länge der Phasen entscheidet Soa flexibel, angepasst an die Tagesform der Kinder. Bei „Sonne“ findet ein gegenseitiges, lautes Begrüßen, Ankommen im Raum und Sich-Spüren in Form verschiedener Spiele statt. Der „Mond“ steht für Ruhe, das Liegen im Raum, die eigentliche Meditation. Hier diente anfangs der Isar-Kiesel als Mittel zur Entspannung. Denn mit einem „hot stone“ auf dem Bauch fällt die Konzentration auf die Bauchatmung gar nicht so schwer. Fast automatisch gelingt gleichzeitig das Thema „Zentrieren“ mitsamt der Inhalte der Meditation: Atmen, Spüren, Bewusstwerden. Klingt doch erstaunlich einfach!

Leider fanden die Venus-Kinder den wiederholten Einsatz der Steine irgendwann langweilig. Eine neue Idee musste her. Aktuell dürfen sie reihum auf eine Massage hoffen. Beim anschließenden „Lagerfeuer“ werden Erfahrungen ausgetauscht, die Stunde besprochen und bewertet. Jeder kommt zu Wort und darf sagen, was ihm gefallen oder nicht gefallen hat. Auch Verbesserungsvorschläge sind willkommen. Die Kinder wissen inzwischen, dass sie auch in dieser Phase gehört und ernst genommen, also achtsam behandelt werden. Inzwischen ist auf der Beliebtheitsskala der Klasse eine leichte Tendenz zur Mondphase zu erkennen. Das kann doch definitiv als positive Resonanz gewertet werden!

Danke, Soa, für Deinen engagierten Einsatz. Und wenn auch wir Eltern nicht regelmäßig in den Genuss Deiner Freitags-Meditation kommen, lasst uns doch zumindest Soas Motto verinnerlichen: „Das Ziel ist im Weg, zitiert vom Leben.“

Empfehlenswert zum Thema ist eine beeindruckende Dokumentation:  Die Revolution der Selbstlosen