Der Workshop zur Ausstellung “Rechts total? Normal?”

„Wir glauben, dass man gegen Rechtsextremismus am wirksamsten mit Initiativen und Projekten vor Ort angehen kann.“ Das behauptet der gemeinnützige Verein und Mitorganisator der Menschenkette „München ist bunt!“. Ein beeindruckendes Zeichen hierfür setzten am 19. Juni rund 6.000 Münchner mit der Aktion „Hand in Hand gegen Rassismus – für Menschenrechte und Vielfalt“.

An der Montessorischule Emile betrachteten in den letzten Wochen rund 200 Kinder interessiert, aber auch erschrocken die Ausstellung der Organisation mit dem Titel „Rechts total? Normal?“.

In einem historischen Abriss des vergangenen Jahrhunderts werden Feindbilder aufgezeigt, rechte Parolen genannt, aber auch die Solidarität und das zunehmende Engagement der heutigen Jugend beschrieben.

Ganz direkt konnten sich die Schüler der zehnten und elften Klasse mit brisanten Themen auseinandersetzen, die der Autor Wunibald Heigl in seinen „Comix gegen rechts“ aufgreift. Nach einer angeregten Diskussion zu aktuellen Flüchtlingsthemen schlüpften sie in die Rollen der vier Schulfreunde, die aus unterschiedlichen Standpunkten Fragen wie: „Nazis, was sind das für Leute?“ oder „Rasse, was heißt das?“ kontrovers diskutieren.

Die Schüler sind schnell mit Feuereifer dabei, gestalten teilweise Texte sinngemäß um oder übernehmen die Dialoge, um sie vor ihren Mitschülern zu präsentieren. Davor gab es bereits viele Fragen an den pensionierten Lehrer Heigl, der als ausgebildeter AntiRassismus-Trainer seit 25 Jahren Workshops dieser Art anbietet und dabei häufig auf Unsicherheiten und Stereotypen stößt. Es ist viel von subjektiven Eindrücken und auch Ängsten die Rede und Heigl setzt ganz objektiv und ruhig fundiertes Zahlenmaterial dagegen.

So zum Beispiel, dass es weltweit 50 Millionen Flüchtlinge gibt, bei uns im Jahr 2012 nur 740 Asylanträge bewilligt wurden, Berlin einen Ausländeranteil von 12,5 Prozent hat, München und Frankfurt aber rund doppelt so viel. Am meisten aber beeindruckt die Schüler eine Tatsache, die sie bisher noch nicht aus dem Unterricht kannten: Die originale Hautfarbe der Menschen ist schwarz! Unterschiedliche Abstufungen bis hin zur angeblich „vornehmen Blässe“ entwickelten sich erst im Laufe der Generationen mit der Ausbreitung in kältere Regionen. Diese erhellende Erkenntnis lässt zumindest in wissenschaftlicher Hinsicht keinen Raum mehr für Diskriminierungen.